Substitution von Erdöl

Erdöl ist seit Jahrzehnten der wichtigste Energieträger der Welt. Der Anteil am globalen Primärenergiemix beträgt derzeit knapp 35 Prozent. Seine Vormachtstellung im Transportsektor ist unangefochten. Und trotz Verlusten behauptet Erdöl nach wie vor seine Führungsposition im Brennstoffbereich.

In den letzten Jahren wurden vermehrt Forderungen laut, Erdöl als Stütze des globalen Energieportfolios abzulösen. Diese Begehren sind teils ideologischer Natur, fussen aber auch auf der Hoffnung in regenerative Energien. Diese alternativen Energieträger haben zweifellos eine Daseinsberechtigung. Ihre Bedeutung nimmt tendenziell zu. Die IEA geht davon aus, dass ihr Anteil am globalen Energiemix bis 2030 auf über 20 Prozent ansteigen könnte. Umweltverbände wie Greenpeace fordern sogar einen Anteil von mindestens 50 Prozent bis 2050.

Aus mehreren Gründen gilt es, die Substitution von Erdöl kritisch zu hinterfragen. Substitutionen sind sinnvoll, wenn Lösungen vorliegen, die in Sachen Verfügbarkeit, Energieeffizienz und Kosten konkurrenzfähig sind. Im Mobilitätsbereich wird dies in den nächsten Dekaden kaum der Fall sein. Noch liegen keine Lösungen vor, die Benzin und Diesel verdrängen können, da sowohl die alternativen Treibstoffe noch entsprechende Antriebsmodelle für den flächendeckenden Einsatz ausgereift sind. Die den erneuerbaren Energien günstig gestimmte IEA prognostiziert deshalb zurecht, dass auch 2030 und darüber hinaus Erdöl über 90 Prozent des Energiebedarfs im Mobilitätssektor decken wird.

In den letzen Jahren wurde Erdöl vorwiegend im Brennstoffbereich substituiert. Zum Einsatz kamen vorwiegend strom- oder erdgasbasierte Anlagen. Dieser Trend dürfte anhalten, was den Elektrizitätsbedarf tendenziell ansteigen lassen wird. Und dieser Mehrbedarf muss produziert werden. Allerdings stösst die Infrastruktur zur Stromproduktion europaweit schon heute an Kapazitätsgrenzen. Abhilfe schaffen könnten Gas-Kombikraftwerke, mit schlechter CO2-Bilanz, oder Kernkraftwerke. Erstens stossen diese jedoch in breiten Teilen der Bevölkerung auf Widerstände und zweitens dauert es Jahrzehnte, bis ein neues Werk ans Netz gehen kann. Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien kann nur einen marginalen Teil des Bedarfsanstiegs abdecken.

Beachtet werden muss zudem, dass die vorhandenen Erdölbestände ausreichen, um den wachsenden Energiehunger langfristig zu stillen. Bevor man also voreilig Erdöl durch andere Energiequellen ersetzt, ist es zwingend, vorgängig in die Forschung und Weiterentwicklung neuer Energieträger sowie entsprechender Anwendungstechnologien zu investieren.
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