World Energy Outlook 2009
Der globale Energiekonsum ist 2009 in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise um zwei Prozent eingebrochen, wie die IEA in ihrem World Energy Outlook 2009 aufzeigt. Damit ist die Gesamt-Energienachfrage erstmals seit 1981 rückläufig.
Auch das Investitionsvolumen in Exploration und Förderung von Erdöl und Erdgas hat gegenüber 2008 um 19 Prozent abgenommen. Der Investitionsstopp könnte, so die Meinung der IEA, die Versorgungssicherheit ernsthaft gefährden, vor allem dann, wenn im Falle eines neuen konjunkturellen Aufschwungs die Weltwirtschaft wieder mehr Energie nachfragen wird.
Dennoch ist während der Wirtschaftskrise viel Geld in erneuerbare Energien geflossen. Weitgehend unkritisch haben zahlreiche Staaten vor dem Hintergrund des befürchteten Klimawandels und zwecks Ankurbelung der Wirtschaft Investitionsprogramme im Energiebereich beschlossen, die der Erhöhung der Energieeffizenz und der Förderung „alternativer“ Energieträger dienen. Ob dadurch mehr Versorgungssicherheit erreicht oder im Gegenteil nicht marktfähige Aktivitäten unterstützt werden, ist eine offene Frage.

| | Die IEA geht in ihrem als nicht erstrebenswert bezeichneten, jedoch realistischen Referenzszenario davon aus, dass die Energienachfrage bis 2030 jährlich um 1,5 Prozent von heute 12 auf 16,8 Milliarden Tonnen Öl-Äquivalent ansteigen wird. Um diese Nachfrage zu decken, sind Investitionen von 26 Billionen US-Dollar nötig. Erdöl wird auch 2030 mit einem Anteil von 30 Prozent am Energiemix Motor der Wirtschaft sein. |
Die Nachfrage wird im Referenzszenario von heute 85 auf 105 Millionen Fass pro Tag zunehmen. Der Anteil der erneuerbaren Energien bleibt trotz aller staatlicher Investitionen weiterhin marginal.
Vor dem Hintergrund der Klimakonferenz in Kopenhagen und befürchteter Versorgungsengpässe errechnet die IEA ein Alternativszenario. Im Rahmen ihrer favorisierten Variante will die IEA den Energiebedarf bis 2030 auf „nur“ 14,4 Milliarden Tonnen Öl-Äquivalent ansteigen lassen. Verglichen mit der Referenzentwicklung entspricht das einer Reduktion von 14 Prozent. Neutral betrachtet ist diese Szenario zu ambitioniert
Neben zusätzlichen Investitionen in die Energieeffizienz wäre eine weitere Elektrifizierung des Energiesektors nötig. Zur Stromerzeugung sieht die IEA einen massgeblichen Ausbau der Atomproduktion vor. In vielen Staaten ist ein substanzieller Ausbau der Kernenergie kaum mehrheitsfähig. Und aus sicherheitspolitischen Gründen wollen unter anderem die OECD-Staaten die weltweite Anwendung der Nuklear-Technologie, insbesondere in gewissen Entwicklungs- und Schwellenländern verhindern.
Beim Energiemix der Zukunft bleibt im Alternativ-Szenario vieles beim Alten. Erdöl und Erdgas werden zusammen weiterhin einen Anteil von 50 Prozent haben. Beachtlich ist hingegen der dafür nötige Aufwand. Um das Alternativ-Szenario zu verwirklichen, wären zusätzliche 10 Billionen US-Dollar nötig, die letztlich auf die Konsumenten überwälzt werden müssten. Für 14 Prozent weniger Energie müssten die Kunden 30 Prozent mehr bezahlen. Gerade für energieintensive Branchen ist das deutlich zu viel. Die Erfahrungen mit dem Kyoto-Regime haben gezeigt, dass die Wirtschaft die Hauptlast der Klimaschutzbemühungen trägt. Eine Schwächung der Wirtschaft durch überhöhte Energiepreise lähmt letztlich auch den Klimaschutz.
Dass die Versorgungssicherheit beim Alternativ-Szenario höher ausfällt, muss bezweifelt werden. Die Marktfähigkeit der propagierten „alternativen“ Energieträger muss sich erst noch beweisen. Und auch das markant höhere Investitionsvolumen muss vor dem Hintergrund künftiger Wirtschaftseinbrüche als Risiko betrachtet werden.