World Energy Outlook 2010

Die Weltwirtschaft hat sich 2010 schneller erholt als erwartet. Die Geschwindigkeit des Erholungsprozesses wird die Aussichten für die globale Energiezukunft mitbestimmen. Einfluss darauf haben aber auch nationale Strategien, die einerseits der Versorgungssicherheit und andererseits Klimaschutzbestrebungen Rechnung tragen. Die Spuren der Wirtschaftskrise sind aber nicht zu vernachlässigen. Aufgrund der zum Teil enormen Budgetdefizite ist es offen, ob all die geplanten Energieprojekte und Investitionsprogramme umgesetzt werden können. Das hat Auswirkungen in die Energieprognosen der IEA.

 

Die IEA zeichnet in ihrem World Energy Outlook 2010 drei Szenarien: „Aktuelle Politik“ (AP), „Neue Politik“ (NP) und das sogenannte 450 ppm CO2-Szenario (450). AP ist das eigentliche, defensive Referenzszenario. Es berechnet den künftigen Energiebedarf auf der Basis der politischen Rahmenbedingungen 2010. NP prognostiziert den Verbrauch unter der Bedingung, dass alle mittelfristig angekündigten Massnahmen zum Klimaschutz sowie zur Verbesserung der Energieeffizienz umgesetzt werden. Dieses Szenario ist realistisch, aus den oben genannten Gründen aber zugleich optimistisch. Über das Ziel hinaus schiesst die IEA mit ihrem 450er Szenario. Dieses Szenario lehnt sich an der unter anderem am Klimagipfel 2009 in Kopenhagen diskutierten Idee an, den Temperaturanstieg auf 2° Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu beschränken. Die IEA geht davon aus, dass dazu der CO2-Gehalt der Atmosphäre bei 450 ppm CO2- Äquivalent stabilisiert werden muss. Ppm steht für parts per million und entspricht einem Millionstel. Zum Vergleich entspricht ein Hundertel oder ein Prozent 10‘000 ppm.

 

Ausgehend vom aktuellen Energiebedarf von rund 12.3 Milliarden Tonnen Öl-Äquivalent prognostiziert die IEA bis 2035 je nach Szenario einen Bedarfsanstieg von 0.7 Prozent (450),

1.2 Prozent (NP) oder 1.4 Prozent (AP). Bei allen Szenarien bleiben fossile Ressourcen die Stütze der Energieversorgung. Erdöl wird mit 28 Prozent (AP und NP) bzw. 26 Prozent (450) weiterhin der bedeutendste Primärenergieträger bleiben, wenn auch leicht rückläufig gegenüber den 33 Prozent im aktuellen Energiemix. An zweiter und dritter Stelle kommen je nach Szenario Kohle und Erdgas mit Anteilen um 20 Prozent. Die Bedeutung der neuen erneuerbaren Energien nimmt zwar zu, deren Anteil bleibt jedoch unter 10 Prozent.

 

Die IAE sagt voraus, dass 2035 rund 99 Millionen Fass Öl pro Tag verbraucht werden. Gegenüber dem Stand von heute ist dies eine Steigerung von 20 Prozent. Dies widerlegt die These der bald versiegenden Ölquellen. Die wachsende Nachfragestammt ausschliesslich aus nicht OECD-Ländern, fast zur Hälfte aus China, welches dadurch seinen steigenden Bedarf im Transportbereich zu decken versucht.

 

Unkonventionelle Ölvorkommen werden an Bedeutung gewinnen. In welchem Ausmass diese zunehmen wird, hängt einerseits vom Erdölpreis, andererseits von ökologisch motivierten Regulierungen ab.

 

Die IEA preist Investitionen in erneuerbare Energien als Wundermittel für die künftige globale Energieversorgung an. Ihre ins Feld geführten Finanzierungsstrategien rücken das 450er Szenario jedoch ins Reich der Utopien. Damit die neuen Energien zu marktfähigen Preisen angeboten werden können, sind derzeit erhebliche Anstrengungen und Subventionen vonseiten der Politik nötig. Zwar wird ein Teil der Mehrkosten für Erneuerbare während der nächsten Jahre aufgrund des technologischen Fortschritts wegfallen. Nur schon im NP Szenario geht die IEA aber davon aus, dass sich die Unterstützungszahlungen zwischen 2009 und 2035 versechsfachen werden. Dies, obwohl der Unterstützungsbetrag pro Megawattstunde gemäss Berechnung von heute 55 USD auf 23 USD zurückgehen und der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix der Zukunft nach wie vor gering sein wird.

 

Die Marktfähigkeit der propagierten „alternativen“ Energieträger muss sich erst noch beweisen. Zudem muss das markant höhere Investitionsvolumen vor dem Hintergrund künftiger Wirtschaftseinbrüche als Risiko betrachtet werden.

 

Vielmehr täte die Politik gut daran, langfristige Rahmenbedingungen für eine ausgewogene Nutzung aller Energieträger zu schaffen, statt den Anteil noch nicht ausgereifter Technologien künstlich und mit grossem Kostenaufwand zu erhöhen.

 

 

Primärenergiebedarf - Prognose 2035
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