Der Weg bis zum Kunden

Weil die Schweiz keine Erdölvorkommen hat, gelangen Rohöl und Erdölprodukte über verschiedene Importkanäle in die Schweiz das Land. Die Schweizer Erdölindustrie gewährleistet, dass der jährliche Bedarf an rund 12 Millionen Tonnen Brenn- und Treibstoffen gedeckt ist. Die Branche zeichnet sich zu einem grossen Teil durch den Vertrieb aus. Rund zwei Drittel des Bedarfs werden von ausländischen Raffinerien in Form von Fertigprodukten wie Benzin, Heizöl, Dieselöl oder Kerosin beschafft. Das restliche Drittel wird als Rohöl importiert. Die zwei inländischen Raffinerien fertigen daraus die ganze Palette der in der Schweiz verwendeten Brenn- und Treibstoffe.

 

Beide Raffinerien liegen in der Westschweiz. Die erste wurde 1963 in Collombey (Unterwallis) gegründet. 1966 nahm die zweite Raffinerie in Cressier (Neuenburg) den Betrieb auf. Sie sind beide durch ein internationales Pipelinesystem mit den grossen Mittelmeer Häfen erschlossen, das sie mit Rohöl überwiegend aus dem nordafrikanischen Raum versorgt. Im Vergleich zu den Raffinerien im Ausland sind die Kapazitäten der beiden Schweizer Werke bescheiden. Für die Versorgungssicherheit in der Schweiz spielen sie trotzdem eine wichtige Rolle. Sie sind in der Lage, alle benötigten Brenn- und Treibstoffe herzustellen und liefern ein Drittel der landesweit verbrauchten Erdölprodukte.

 

Von den verschiedenen Importkanälen (Rheinschiff, Schiene, Pipeline, Strasse) sowie den Inlandraffinerien gelangen die Erdölprodukte in die über die ganze Schweiz verteilten Tanklager. Erst dann erfolgt die Feinverteilung der Produkte an die Kunden.

 

Die Branche hat insgesamt einen grossen Transportbedarf. Es drohen aber Engpässe. Im Zuge der Verlagerung von der Strasse auf die Schiene hat die Branche massive Anstrengungen unternommen, um ihre Produkte von der Grenze und den Inlandraffinerien via Schiene in die verschiedenen Grosstanklager zu verteilen. Die Erdölindustrie ist nicht ohne Grund zweitgrösster Kunde der SBB Cargo. Diese Verlagerung ist jetzt in Gefahr. Der Güterverkehr auf der Schiene stösst heute schon an seine Grenzen. Die derzeit diskutierte Vorlage «Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur» (FABI) geht leider in die falsche Richtung, indem die Interessen des Personenverkehrs zu einseitig berücksichtigt werden. Der Güterverkehr braucht dringend mehr Kapazitäten, damit die Branche die eingeschlagene Verlagerung fortsetzen kann.

 

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