Hohe Erdölpreise treiben innovative Fördertechnologien voran

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Volumen der ausgewiesenen und gesicherten Reserven erhöht – trotz steigenden Konsums. Das erstaunt auf den ersten Blick, kann aber durch die branchenspezifische Angebotsdynamik erklärt werden.

Erdölreserven sind nicht nur eine Funktion der bekannten Erdölressourcen und der historischen Produktionsraten. Sie hängen auch direkt von technologischen und wirtschaftlichen Variablen ab; beispielsweise dem Erdölpreis oder der Fördertechnologie. Angaben über Erdölreserven können deshalb nicht als statische und unverrückbare Mengen verstanden werden.

Auch in Zukunft werden zwei Tendenzen die Erweiterung der Reservenbasis begünstigen. Erstens können Explorationsprojekte wie im Kaspischen Meer, in Tiefwasserbereichen im Golf von Mexiko, vor Brasilien, vor der Westküste Afrikas, in Südostasien sowie in arktischen Regionen neue Reserven erschliessen. Zweitens kann durch bessere Fördertechniken in bereits erschlossenen Erdölfeldern ein Reservenzuwachs erzielt werden.

Die Nutzung eines Erdölfeldes kann sich von einigen Jahren auf weit über 30 Jahre erstrecken. In dieser Zeit können sich die wirtschaftlichen, technologischen, politischen und natürlichen Bedingungen positiv oder negativ verändern. So können bei positiven Entwicklungen effizientere Fördermethoden eingesetzt werden. Dadurch können Fördergesellschaften einen grösseren Teil des ursprünglich vorhandenen Erdöls fördern. Als Folge davon steigen die Reserven. Umgekehrt können sich die Rahmenbedingungen verschlechtern, was es unattraktiver erscheinen lässt, mehr Erdöl zu fördern. Entsprechend bilden sich die Reserven zurück. Reserven sind elastisch. Solange Erdöl in ausreichenden Mengen vorhanden ist – wie dies in der Vergangenheit der Fall war – spricht man von einer nachfragegetriebenen Reservenelastizität.

Erdölreserven verändern sich also aufgrund des Erdölpreises und mit dem Fortschritt der Fördertechnologien. Der Preis initiiert letzteren, was zum «Reserven-Paradox» führt: Je grösser die Nachfrage und die Bereitschaft der Konsumenten, einen höheren Preis zu bezahlen, umso grösser wird der wirtschaftliche Anreiz, mehr Erdöl zu finden und zu fördern und dafür bessere Technologien zu entwickeln und einzusetzen. Oder: Je höher der Erdölpreis, desto mehr neue Erdölreserven werden nachgewiesen.

Trotz jährlich steigendem Konsum, haben sich die global gesicherten Reserven in den letzten Jahren erhöht. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat in ihrer Studie „Energierohstoffe 2009“ aufgezeigt, dass zwischen 1996 und 2003 Reservenzuwachse im Umfang von 69 Milliarden Fass oder 9.4 Milliarden Tonnen Öl-Äquivalent erzielt wurden. BP’s „Statistical Review of World Energy 2010“ zeichnet ein ähnliches Bild. Der Bericht weist 1989 1006,4 Milliarden Fass, 1999 1085,6 Milliarden Fass, 2008 1332,4 Milliarden Fass und 2009 1333,1 Milliarden Fass an gesicherten Reserven aus. Das entspricht einem Zuwachs von 30 Prozent auf der Basis von 1989.
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