Fossile Ressourcen unter arktischem Eis
Die Arktis birgt enorme Bodenschätze. Schon lange wird über die genaue Menge spekuliert. Im Rahmen von Explorationsprojekten wurden immerhin schon mehr als 400 Öl- und Gasfelder mit einem Förderpotential von 40 Milliarden Fass Erdöl entdeckt.
Im Sommer 2008 hat der Geologische Dienst der USA (USGS) die ersten öffentlich zugänglichen Schätzungen zu den fossilen Ressourcenvorkommen in der Arktis präsentiert. Der USGS geht davon aus, dass die Arktis 90 Milliarden Fass Erdöl und fast die dreifache Menge an Erd- und Flüssiggasen birgt und sich insgesamt rund 22 Prozent der unentdeckten förderbaren Öl- und Gasvorkommen nördlich des Polarkreises befinden. Bei den veranschlagten 90 Milliarden Fass Erdöl handelt es sich ausschliesslich um konventionelle Bestände, die beim heutigen Technologiestand nutzbar sind.
Der grösste Teil der Lagerstätten befindet sich vor den Küsten der Polarstaaten. Der Nordpol, um dessen Besitzanspruch ein politisches Ringen entfacht ist, ist aus Sicht der Forscher in Bezug auf Erdöl nicht interessant. Enorme Potentiale sehen sie hingegen im Arktischen Alaska (USA), im Kanadabecken und in Ostgrönland (Dänemark). Allerdings muss das Öl mit aufwändiger Offshore-Technik vom Meeresgrund gefördert werden. Technisch ist das machbar. Statoil fördert schon heute 300 Meter unter dem Meeresspiegel vor der norwegischen Küste vollautomatisch Gas. Der Transport per Schiff oder Pipeline ist jedoch äusserst anspruchsvoll und kostenintensiv.
Ob sämtliche arktischen Ölvorkommen erschlossen und nutzbar gemacht werden ist letztlich eine wirtschaftliche Frage. Förder- und Transportinfrastruktur erfordern Milliardeninvestitionen, die sich nur bei einem hohen Ölpreis auszahlen. Die EU hat 1998 eine „arktische Entwicklungs- und Erkundungsfahrt“ finanziert. Die Expedition hat aufgezeigt, dass Tanker mit der Unterstützung von Eisbrechern Öl aus der Arktis transportieren können. Die Transportkosten alleine betrugen jedoch 11 Dollar pro Fass. Beim damaligen Preis von 12 Dollar für Nordseeöl war das ökonomisch nicht sinnvoll. Der zwischenzeitlich stark gestiegene Erdölpreis führt aber dazu, dass Förderung und Transport auch in anspruchsvollen Förderregionen wirtschaftlich werden.
Welches Potential haben die arktischen Vorkommen gemessen an den globalen Reserven? In ihrem „Statistical Review of World Energy“ für 2008 weist BP 1258 Milliarden Fass an gesicherten Reserven aus. Der Zuwachs um 90 Milliarden Fass scheint auf den ersten Blick nicht sehr bedeutend.
Bei einem Tagesverbrauch von 85 Millionen Fass deckt dieses Volumen aber immerhin den globalen Erdölkonsum von rund drei Jahren. Die Ölvorkommen in der Arktis liegen zudem relativ nahe an den wichtigsten Verbrauchermärkten USA, Europa und Asien. Und für die Polarstaaten ist die Stärkung der heimischen Förderung äusserst interessant.