Golf von Mexiko: Das Jahr nach der Krise

Im April 2010 explodierte im Golf von Mexiko die Ölplattform Deepwater Horizon. Daraus resultierte die gravierendste Katastrophe, welche die Erdölbranche je bewältigen musste. Elf Arbeiter fanden den Tod. Während fünf Monaten floss Rohöl in den Golf.

Rasch wurde über die langfristigen Folgen spekuliert. Die US-Regierung verhängte umgehend ein Moratorium für Tiefseebohrungen. Politiker rund um den Globus forderten strengere Sicherheitsvorschriften. BP kämpfte gegen das austretende Öl, Reputationsschäden, Schadenersatzforderungen und den rasanten Zerfall des Aktienwertes.

Über die Umweltauswirkungen lassen sich heute noch keine abschliessenden Aussagen machen. Gemäss Schätzungen der National Oceanic and Atmospheric Administration der USA (NOAA) flossen 4.9 Millionen Fass Rohöl in den Golf. Gut 800'000 Fass konnten unter Wasser aufgefangen werden. 4.1 Millionen Fass flossen ins Meer. Davon wurden etwa 10 Prozent verbrannt und 30 Prozent verdunsteten. Der Rest verblieb ungelöst im Wasser, wurde ans Ufer gespült oder sank auf den Meeresgrund. Beobachtungen und wissenschaftliche Analysen lassen aber darauf schliessen, dass sich das Öl relativ rasch durch bakteriellen Abbau auflösen wird.

Noch nicht restlos geklärt ist die Schuldfrage. Darüber werden voraussichtlich die Gerichte befinden müssen. Die von Präsident Obama einberufene Kommission spricht in ihrem Abschlussbericht allen Beteiligten Schuld zu. Aus Sicht der Kommission war die Katastrophe ein Zusammenspiel von menschlichem Fehlverhalten, Ingenieursfehlern und Managementversagen. Dazu kommt, dass die staatlichen Aufsichtsbehörden ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind.

Die Kommission empfahl deshalb die Bildung einer unabhängigen Sicherheitsbehörde für die Ölbranche. Die Aussagen des Berichts müssen aber kritisch hinterfragt werden. Die Explosion war zweifellos ein tragisches Ereignis. Die darauffolgende emotionale Debatte zieht aber die ganze Branche in Zweifel. Die Erdöl-Wirtschaft selber hat allerdings längst substanzielle Massnahmen zur Sicherheitsoptimierung ergriffen. Es muss ausdrücklich betont werden, dass Sicherheit ein inhärentes Interesse der Erdölkonzerne ist. Unfälle wirken sich äusserst negativ auf die Reputation und den Finanzhaushalt der Konzerne aus.

Die Debatte hat sich zwischenzeitlich wieder etwas beruhigt. Das Moratorium für Tiefseebohrungen wurde von einem amerikanischen Bundesgericht aufgehoben. Und aufgrund positiver Befunde aus Analysen von Wasserproben, Fischen und Meeresfrüchten gab die NOAA fast alle für die Fischerei geschlossenen Gewässer vor der amerikanischen Küste wieder frei. Es ist jedoch im Sinne der Branche, die noch offenen Fragen restlos zu klären.
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