Konventionelle Bestände sind noch lange nicht erschöpft
Als
konventionelles Erdöl wird Erdöl in flüssiger Form bezeichnet, das bei der Förderung natürlich an die Oberfläche fliesst oder an die Oberfläche gepumpt werden kann, ohne dass weitere Verarbeitungsschritte notwendig wären oder das Erdöl verdünnt werden müsste. Die grössten nachgewiesenen konventionellen Erdölreserven liegen in den Ländern des Mittleren Ostens: Im Irak, im Iran, in Kuwait, in Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Verschiedene Studien gehen davon aus, dass gemäss heutigem Stand rund 3 Billionen Fass Erdöl konventionell förderbar sind.
Die Nutzungsdauer eines Erdölfeldes kann sich von einigen Jahren auf weit über 30 Jahre erstrecken. In dieser Zeit können sich die wirtschaftlichen, politischen und natürlichen Bedingungen positiv oder negativ verändern. Zudem kommen immer effizientere Fördermethoden und neue Fördertechnologien zum Einsatz. Dadurch kann die Ausbeutung des Erdölfeldes substantiell erhöht werden. Als Folge davon steigen die Reserven.
Heute unterscheidet man bei der Förderung konventionellen Erdöls drei Stufen. In einer ersten Phase wird Öl durch den natürlichen Druck oder durch «Verpumpung» an die Oberfläche gefördert. Die Förderrate beträgt dabei zwischen 10 und 30 Prozent. Danach werden in einer zweiten Phase Wasser oder Gas in das Reservoir injiziert und damit zusätzliche 10 bis 30 Prozent aus der Lagerstätte gefördert. In einer dritten Phase werden schliesslich komplexere Substanzen eingespritzt wie Dampf, Polymere, Chemikalien, CO2 oder Mikroben, mit denen die Nutzungsrate nochmals – und oft um ein Mehrfaches – erhöht werden kann. Diese Phase zahlt sich wirtschaftlich bei Preisen ab 40 Dollar pro Fass aus.
Angesichts des Preisniveaus und der globalen Marktdynamik ist damit zu rechnen, dass sich die tertiäre Förderung stark intensivieren wird. Das könnte insbesondere in den USA zu einem erheblichen Wiederanstieg der einheimischen Produktion führen, da dort in bekannten Lagerstätten noch grössere Erdölreserven auf ihre Förderung mittels tertiärer Nutzbarmachung warten. Die konventionellen Reserven reichen aus, um die globale Versorgung mit Erdöl langfristig sicherzustellen.