Hintergründe zur Peak Oil These
In der politischen Energiedebatte der letzten Jahre wird immer wieder die „Peak Oil“ These ins Feld geführt. Sie prognostiziert das absehbare Ende der Verfügbarkeit von Erdöl und stellt mit Bezug auf die globale Erdölabhängigkeit Energiekrisen grossen Ausmasses in Aussicht. Um die Peak Oil These zu verstehen und um ihren Aussagegehalt zu bewerten, lohnt sich ein Blick auf ihre Bedeutung und ihren Ursprung.
Mit „Peak Oil“ bezeichnet man das Produktionsmaximum einer einzelnen Bohrung, eines Ölfelds oder einer ganzen Region. Häufig wird auch von einem nationalen oder gar globalen Peak gesprochen. Das Erdöl-Fördermaximum und damit ein absehbares Ende der Verfügbarkeit von Erdöl wurden in der Vergangenheit immer wieder prognostiziert. Steigende Erdölpreise haben der Debatte neuen Auftrieb verliehen.
Die Peak Oil Theorie geht zurück auf Überlegungen und Untersuchungen des Shell-Geologen Dr. M. King Hubbert: Um 1950 stellte er fest, dass die Entdeckung neuer Erdölfelder in den USA bei grafischer Darstellung auf einer Zeitachse einer glockenförmigen Kurve folgt, die an eine Gauss'sche Normalverteilungskurve erinnert. Hubbert postulierte, dass nicht nur die Exploration, sondern mit einer gewissen Zeitverschiebung auch die Produktion aus den gefundenen Erdölfeldern einer ähnlichen Kurve folgen würde (heute „Hubbert-Kurve“ genannt). Da Hubberts Produktions-Kurve gleichförmig verläuft, besagt sie auch, dass der Höhepunkt der Produktion, der so genannte „oil peak“ oder „Hubbert’s peak“ mit demjenigen Zeitpunkt zusammenfällt, in dem rund 50% des nutzbaren Erdöls gefördert ist.
Trotz anfänglicher Erfolge hat sich das Hubbert-Modell für eine Voraussage der Welt-Peak-Produktion als untauglich erwiesen. Es zeigt einzig, dass ein weltweites Öl-Produktionsmaximum in Zukunft einmal erreicht werden wird und ruft damit in Erinnerung, dass Erdöl letztlich eine endliche Ressource ist. Die Kritiken an der „Hubbert-Methode“ sind denn auch sehr zahlreich.
Die «Peak Oil» These hat ihre Relevanz ohnehin eingebüssst. Die Industrienationen investieren erheblich in die Energieeffizienz und substituieren Erdölprodukte wo möglich, weshalb sie stetig weniger Erdöl nachfragen. Der Verbrauch steigt lediglich in aufstrebenden Volkswirtschaften wie China oder Indien noch an. Erdöl wird zwar auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil des globalen Energiemixes bleiben. Seine einstig dominierende Vormachtstellung wird der Rohstoff aber künftig mit anderen Energieträgern teilen müssen. Gewiss, Erdöl ist eine endliche Ressource. Vor dem Hintergrund der industriellen und energiewirtschaftlichen Entwicklung ist die «Peak Oil» These aber obsolet. Viel wichtiger als Spekulationen über ein künftiges Produktionsmaximum sind Fragen nach dem sinnvollen Einsatz und dem nachhaltigen Umgang mit dem Rohstoff Erdöl.