Milliarden von Menschen wohnen in Erdöl reichen Regionen. Richtig eingesetzt, trägt das schwarze Gold massgeblich zum wirtschaftlichen Aufschwung in den Förderstaaten bei. Die Vereinigten Arabischen Emirate oder Norwegen sind Musterbeispiele für eine nachhaltige Verwendung der Erdöleinkünfte. Norwegen hat auch dank seiner Ölvorkommen einen der höchsten Lebensstandards der Welt. Die Einkünfte fliessen unter anderem ins Bildungs- und Gesundheitswesen, aber auch in einen staatlich geführten Fonds. Dieser dient als strategische Reserve für eine Zeit, in der Norwegens Ölquellen versiegt sein werden.
Wenn die Erdöleinnahmen hingegen in die falschen Hände fliessen, sind Armut, Korruption und Konflikte an der Tagesordnung. Dies geht oft einher mit mangelnden Umweltschutzbemühungen, Menschen unwürdigen Arbeitsbedingungen und ganz generell mit Füssen getretenen Menschenrechten.
Unter anderem aus diesen Gründen wird von NGOs immer wieder die Forderung erhoben, Erdöl bzw. Erdölprodukte zu zertifizieren. Was beispielsweise Kaffee-Konsumenten heute offen steht, soll auch den Erdölverbrauchern möglich werden: „Max Havelaar Öl“ für Motor und Heizkessel sozusagen. Die Umsetzung von „Max Havelaar Öl“ ist jedoch schwierig. Denn Öl wird beim Transport und bei der Verarbeitung so gemischt, dass der Herkunftsnachweis nicht mehr möglich ist.
Akzente setzen können jedoch die Erdölunternehmen; und dieses Potential wird zunehmend genutzt. Im Rahmen der „Extractive Industries Transparency Initiative (
EITI)“ setzen sich die Rohstoffindustrie und zahlreiche Staaten - darunter auch die Schweiz - für hohe ethische Standards im Energiesegment ein. Die EITI will erreichen, dass Regierungen ihre aus Rohstoffaktivitäten erzielten Einnahmen transparent machen und dadurch motivieren, diese Mittel verantwortlich und nachhaltig zu verwenden. Die deutliche Mehrzahl der Erdölunternehmen hat sich der Initiative bereits angeschlossen.
Wichtig sind aber auch gesellschaftliche, soziale und ökologische Engagements vor Ort. ExxonMobil beispielsweise unterstützt Projekte zur Stärkung lokaler Infrastrukturen, investiert in die Bildungs- und Gesundheitsförderung und trägt so zu einer nachhaltigen Entwicklung rund um ihre Betriebe bei. BP setzt sich massgeblich für Menschenrechte in den Förderregion ein und gehört zu den Gründungsmitgliedern der Voluntary Principles on Security and Human Rights. Dabei handelt es sich um selbst gesteckte Leitsätze der Rohstoffindustrie, die auf die Sicherheit ihrer Standorte unter Wahrung der Menschenrechte abzielen. In dieser Frage hat sich BP in den letzten Jahren vorwiegend auf den kaspischen Raum und auf Indonesien konzentriert.
Auch Shell geht mit gutem Beispiel voran, investiert in soziale Projekte und stärkt die wirtschaftlichen Strukturen im Umfeld ihrer Anlagen. Dieser von den meisten Erdölunternehmen verfolgte Ansatz ist eine essentielle Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung der Förderregionen. Das verringert die wirtschaftliche Abhängigkeit von Erdöl, erhöht den Wohlstand in den Förderregionen und schafft die Voraussetzung, dass nicht nur die grossen Verbrauchernationen von Erdöl profitieren.