Preisbildung auf dem Ölmarkt

Im Frühjahr 2003 lag der Erdölpreis bei 25 US-Dollar pro Fass. Seither ist er markant gestiegen und hat sich 2006 bei 75 US-Dollar pro Fass eingependelt. 2008 haben grosse Preisschwankungen stattgefunden. Bis zum Sommer 2008 ist der Fasspreis auf 150 US-Dollar angestiegen und anschliessend im Zuge der globalen Wirtschaftskrise auf 45 US-Dollar pro Fass gesunken (Frühjahr 2009). Im Jahresverlauf 2009 haben die Preise wieder angezogen und liegen nun bei 80 US-Dollar pro Fass (Mai 2010).

Die Preise für Rohöl und Erdölprodukte beeinflussen nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung, sie wirken sich auch direkt auf die Finanzkraft der Konsumenten aus. Für Aussenstehende sind die gerade in den letzten Jahren erheblichen Preisschwankungen nur schwer nachvollziehbar. Vor diesem Hintergrund nährt der tendenzielle Preisanstieg immer wieder Spekulationen und wird als Beweis für das angeblich bevorstehende Versiegen der Erdölquellen gewertet. Das wird jedoch der Komplexität der Erdölpreisbildung nicht gerecht.

Der Preis für Rohöl bildet sich wie jeder Marktpreis aus dem gegenwärtigen Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die 80er und 90er Jahre waren von einer Phase geringer Marktexpansion und wachsenden Preisdrucks geprägt. 1998 fielen die Erdölpreise zeitweise auf unter 10 Dollar pro Fass. Als Folge davon wurden viele Explorations- und Förderprojekte aus Gründen mangelnder Rentabilität nicht verwirklicht.

Diese Situation hat sich seit 2002 komplett verändert. Die Nachfrage ist – hauptsächlich getrieben vom wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und Indiens, verbunden mit einer allgemein expansiven Weltwirtschaft – in einem Masse gestiegen, das viele überrascht hat. Mit dem Nachfragewachstum konnte das Angebot vorübergehend nicht Schritt halten: Die frei verfügbaren Kapazitäten nahmen auf allen Stufen, das heisst von der Förderung bis zur Raffination, ab. Der daraus resultierende Nachfrageüberhang hat zu den in letzter Zeit höheren Erdölpreisen geführt. Verstärkt wurde die Preishausse durch tatsächliche oder befürchtete politische Ereignisse in den Förderstaaten und entlang der Transportwege sowie durch Naturkatastrophen, die negative Folgen für die Ölproduktion zeitigten (z. B. die Hurrikane Katrina und Rita). Zwar ist in Folge der Wirtschaftskrise die Nachfrage - und damit auch die Preise - kurzfristig eingebrochen. Aufgrund der schwierigen Kreditmärkte wurden aber auch Investitionen in Exploration und Förderung gestoppt. Dies wird den Nachfrageüberhang mittelfristig akzentuieren.

Relevant für die Preisbildung sind zudem die unterschiedlichen Handelsplattformen. Unterscheiden muss man dabei zwischen Ölhandel an den Börsen und dem Handel mit „realem“ Öl oder Erdölprodukten.

Das Erdöl, das später in Form von Treibstoffen oder Heizöl in die Schweiz gelangt, wird vorwiegend auf dem Rotterdamer Spotmarkt eingekauft. Bis das Erdölprodukt zum Endverbraucher gelangt, müssen noch verschiedene preisbildende Faktoren wie Fiskalbelastungen und in geringerem Masse die Margen der Erdölhändler berücksichtigt werden.
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