Ölhandel an der Börse

Ein grosser Teil des Erdölhandels spielt sich heute an den Börsen ab. Die Geschäfte verlaufen über zwei Zentren: Die New York Mercantile Exchange (NYMEX) und die International Petroleum Exchange (IPE) in London.

Erdöl wird an der Börse vorwiegend in Form von so genannten „Futures-Kontrakten“ gehandelt. Diese beinhalten eine rechtlich bindende Verpflichtung, zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft eine definierte Menge einer Ware zu kaufen oder zu verkaufen. Die Kontrakte sind standardisiert, um zu gewährleisten, dass die Börsenteilnehmer von denselben Qualitäten, Mengen und Lieferbedingungen ausgehen können.

Für Erdölhändler, -produzenten und -raffineure oder für Grosskunden wie beispielsweise Aviatikunternehmen bieten die Börsen in erster Linie eine Absicherung gegen künftige Preisschwankungen beim Handel mit „realem“ Öl. Diese Marktteilnehmer müssen oft Monate im Voraus grosse Mengen an Erdölprodukten kaufen oder verkaufen. Sie sind dadurch dem Risiko von Preisschwankungen besonders stark ausgesetzt. Ihr Börsenverhalten richtet sich nicht nach kurzfristigen Gewinnen. Vielmehr versuchen sie, ihre Position im Markt für physische Produkte auszugleichen und ihre Risiken besser zu verteilen.

Dem gegenüber stehen die Finanzmarktakteure. Sie versuchen aufgrund von Kurseinschätzungen kurzfristige Gewinne zu erzielen. Die Finanzmarktakteure verhelfen dem Markt insgesamt zu grösserer Liquidität und übernehmen Risiken, welche die langfristig orientierten Händler abzugeben versuchen. Wenn sie mit den wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen der Erdölindustrie wenig vertraut sind, können sie jedoch zu einer Verstärkung und Beschleunigung der Preisschwankungen beitragen.

Die Preise an den Börsen sind nicht nur durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bestimmt. Mutmassungen sowie kurz- und mittelfristige Marktbeurteilungen wirken sich direkt auf die Preisentwicklung aus. Beispielsweise kann sich die Angst vor politischen Unruhen direkt in einem Preisniveau äussern, welches nicht Ausdruck der realen Versorgungslage ist. Aber auch kalte Winter oder die Lagerbestände in wichtigen Abnehmerländern sowie der Dollarkurs haben einen direkten Einfluss auf die Preisbildung an den Börsen.
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