Der starke Franken und seine schwachen Auswirkungen auf den Ölpreis
Rohöl wird im Weltmarkt fast ausschliesslich in US-Dollar gehandelt. In jüngster Zeit stellten sich daher viele Konsumentinnen und Konsumenten die Frage, weshalb der im Vergleich zum Schweizer Franken sinkende Kurs dieser Leitwährung nur geringe Auswirkungen auf die Preise von Erdölprodukten in der Schweiz hat.
Der Preis für Rohöl bildet sich wie jeder Marktpreis aus dem gegenwärtigen Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Sinkt der Verkaufspreis aufgrund von grossen Wechselkursschwankungen auf den weltweiten Devisenmärkten übermässig stark, versuchen die Förderländer den volkswirtschaftlichen Schaden bei gleich bleibender Nachfrage durch eine künstliche Verknappung des Angebots in Grenzen zu halten. Einerseits werden teure Förder- und Explorationsprojekte gestoppt, andererseits wird die Fördermenge gedrosselt. Dadurch steigt der Rohölpreis.
Die in der Schweiz erzielten Währungsgewinne können so kurzerhand durch den steigenden Preis für Erdölprodukte aufgefressen werden. Hinzu kommen die Auswirkungen des jüngsten Entscheids der Schweizerischen Nationalbank, den Euro-Wechselkurs mit einer fixen Untergrenze von CHF 1.20 abzusichern. Diese vielfach geforderte Massnahme kommt der leidenden Schweizer Exportwirtschaft zweifellos zugute, bringt aber gleichzeitig auch eine generelle Verteuerung der Importpreise mit sich. Nicht zuletzt deshalb, weil sie den Wert des US-Dollars in der Schweiz unmittelbar beeinflusst.
Schliesslich bleiben auch die anderen preisbildenden Faktoren unabhängig vom Kurs des US-Dollars weitgehend dieselben. So kommen beim Kauf, der bei Erdölprodukten mit Bestimmungsort Schweiz überwiegend am Rotterdamer Spotmarkt abgewickelt wird, noch Fiskalbelastungen, Transportkosten und die vergleichsweise geringe Marge der Erdölhändler hinzu. Die restlichen 35-40 % flexiblen Bestandteile des Benzinpreises fallen somit weit weniger ins Gewicht als allgemein angenommen.