Einfluss des Ölpreises auf die Lebenskosten

Wenn die Erdölpreise steigen, spüren das die Konsumenten direkt. Benzin und Diesel an den Zapfsäulen werden teurer. Steigende Heizölpreise treiben vielerorts auch die Miet- bzw. die Wohnnebenkosten in die Höhe. Verschiedene Produkte werden zudem indirekt teurer, weil beispielsweise höhere Logistik- und Energiekosten auf die Kunden überwälzt werden.

Stark ins Gewicht fallen Ölpreisschwankungen bei energieintensiven Betrieben in der verarbeitenden Industrie, dem Verkehrssektor und auch im Detailhandel. In diesen Segmenten mit hohen Produktions- und Logistikkosten wird der Betriebsaufwand massgeblich durch den Ölpreis bestimmt. Ob aber Unternehmen ihre Kunden stärker zur Kasse bitten können, hängt immer auch von den Wettbewerbsbedingungen ab.

Den Dienstleistungssektor betreffen steigende Ölpreise weniger stark. Der Sektor deckt seinen Energiebedarf mehrheitlich mit Strom. Der Strompreis ist nur begrenzt von den Öl- und Gaspreisen abhängig.

Die letzte systematische Studie, welche den Einfluss des Ölpreises auf die Schweizer Lebenskosten untersuchte, geht auf das Jahr 2008 zurück. Das Bundesamt für Energie BFE rechnet in der Publikation „Auswirkungen der Erdölteuerung auf die Schweizer Energieausgaben“ (Oktober 2008) vor, dass der Anteil der Erdölteuerung an der Erhöhung der Lebenskosten im Verlauf des Jahres rund 40 Prozent beträgt. Diesem Ergebnis lag ein Ölpreis von 110 Dollar pro Fass zu Grunde. Der Wert ist zwischenzeitlich überholt. Zwar lag der Höchststand für ein Fass Rohöl 2008 bei 150 US-Dollar. Ende Jahr ist der Preis aber stark gesunken (40 US-Dollar pro Fass) und hat sich zwischenzeitlich bei rund 80 US-Dollar pro Fass eingependelt (Mai 2010). Die leicht steigenden Erdölpreise bis Mitte Jahr sind unter anderem Ursache für die Teuerung im ersten Halbjahr 2010.

Die Studie bringt auch in der Retrospektive Interessantes zu Tage. Zwischen 1998 und 2007 war der Preisanstieg der Erdölprodukte von insgesamt 84 Prozent erheblich. Die Teuerung der Lebenskosten fiel im selben Zeitintervall mit 8,7 Prozent vergleichsweise moderat aus. Ohne preisbedingte Mehrausgaben für Erdöl hätte die Teuerung zwischen 1998 und 2007 6,4 Prozent betragen. Der Anteil der Erdölpreise an der Inflation in diesem Zeitraum beträgt damit aber immer noch gut 26 Prozent. Das zeigt auf, wie wichtig Erdöl immer noch für die nationale und globale Wirtschaft ist.

Der Einfluss steigender Rohölpreise auf die Lebenskosten ist für die Schweiz stark vom Dollarkurs abhängig. In den letzten Jahren kam das den Schweizer Konsumenten zugute. Seit 1998 hat der Dollar gegenüber dem Schweizer Franken rund 26 Prozent eingebüsst. Der im selben Zeitraum verzeichnete Ölpreisanstieg wurde dadurch erheblich abgefedert. Aus Schweizer Sicht ist zudem zu beachten, dass ein erheblicher Teil unserer Ölausgaben wieder in unsere Volkswirtschaft zurückfliesst; beispielsweise in den Finanzplatz, den Tourismussektor, die Industrie (Zulieferer für die Öl- und Gasförderung) oder in die Uhren- und Schmuckindustrie.
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