Preisträger 2003:
Kantensprung AG — Projekt
Ökologisch, sozial, ökonomisch selbsttragend und nachahmenswert. Aber auch bunt, wandelbar, laut, spannend, grün, spielend, still, diskutierend, integrierend, touristisch, schützend, fröhlich und kontrovers ist das nachhaltige Quartierzentrum im Gundeli. Das mit dem Prix Evenir 2003 ausgezeichnete Projekt zeigt, was Nachhaltigkeit praktisch bedeutet und wie lebensfroh verantwortungsvolles Handeln sein kann.
Umnutzung statt Abbruch: Neues Leben auf dem Gundeldinger Feld
Mitten im dicht besiedelten Wohngebiet stand die alte Maschinenfabrik der Sulzer-Burckhardt AG. Ende 2000 kaufte die Gundeldinger Feld Immobilien AG das Areal und übergab es im Baurecht auf 90 Jahre an die Kantensprung AG, die hier nun das von ihr entwickelte Konzept «Neues Leben auf dem Gundeldinger Feld» umsetzt. Dieses sieht vor, das über 12'700 m² grosse Areal mit bestehenden Gebäuden so umzugestalten, dass ein lebendiges Quartierzentrum entsteht. Die Teilbereiche der Nachhaltigkeit, der sich die Projektgruppe verpflichtet hat, greifen in der praktischen Umsetzung oft ineinander und wandeln sich mit den Ansprüchen der Zeit und den Personen, die sich ihnen verschreiben.
Ökologische Aspekte: Vom Energiekonzept bis zur Handseife
Um die hohen Ansprüche an ein ökologisches Zentrum zu erfüllen, sind verschiedenste Massnahmen - vom Gesamtkonzept bis ins letzte Detail - nötig. So arbeitet man zum Beispiel mit Bauteilbörsen (Arbeitslosenintegrationsprojekt) zusammen. Ausserdem installiert man Solaranlagen, Thermostate sowie individuelle Elektrozähler und verzichtet auf Flüssigseife, da doch die gute alte Rotationsseife und wasserlose Pissoirs genauso sauber, jedoch viel umweltfreundlicher sind. Selbstverständlich wird konsequent die Vision der «2000 Watt Gesellschaft» konkretisiert, die mit einem Drittel des heutigen Energieverbrauchs auskommt, die Kosten drastisch senkt und gleichzeitig die Lebensqualität verbessert.
Ökonomische Aspekte: Weder Profit noch Subventionen
Die Eigentümer der Liegenschaft - private sowie Pensionskassen - erwarten einen marktkonformen Ertrag. Zwischen den Eigentümern und der Kantensprung AG hat sich seit Anfang eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit ergeben. Einerseits rapportiert die Baurechnehmerin Kantensprung AG über die Erreichung der wirtschaftlichen Ziele, andererseits stellen die Eigentümer ihr umfassendes Beziehungsnetz zur Verfügung und helfen so, die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Restaurant- und Backpackers-Betrieb sowie die Vermietung von Lokalen auf Dauer oder für Veranstaltungen sind dabei auf der Ertragsseite führend.
Soziale Aspekte: Weder Profit noch Subventionen
Die ökologische Begrünung von Dächern ermöglicht die Integration eines Vogelprojektes mit Schülern; der Restaurant- und Hotelbetrieb schafft gesicherte Arbeitsplätze für psychisch Kranke, die Spielhalle und das Restaurant sind Treffpunkte für Familien und Berufstätige aus dem Quartier, die Räumlichkeiten bieten Platz für Vereine, Künstler, Theateraufführungen sowie Hol- und Bringmärkte.
Die drei Bereiche stellen ein spannendes, aktuelles, sich wandelndes, integrierendes und aufbauendes Quartierzentrum sicher, in dem Nachhaltigkeit gelebt und damit auf beispielhafte Weise gelehrt und weitergegeben wird.